Multiple Sklerose Ambulanz

Zertifiziertes MS-Zentrum der DMSG

Die Multiple Sklerose, kurz MS genannt, ist immer noch eine schleichende Erkrankung mit ungewissem Ausgang. Kommt es zu einer spontanen Besserung? Helfen die Medikamente? Wann kommt der nächste Schub? Konnte der Prozess zum Stillstand gebracht werden? Mit diesen Fragen sind unsere MS-Patienten konfrontiert, mit ihnen müssen sie fertig werden, oft schon mit 20, 30 oder 40 Jahren, da in diesem Lebensabschnitt die MS am häufigsten erstmals ihr Gesicht zeigt, beispielsweise in Form von Sehstörungen, spastischen Lähmungen, Sensibilitätsstörungen oder Blasenentleerungsstörungen.

Noch vor nicht allzu langer Zeit wusste man fast gar nichts über den Entstehungsmodus dieser Erkrankung. Vermutungen mehr als gesicherte Fakten prägten den ärztlichen Alltag der Neurologen, die sich mit der MS auseinandersetzen müssen, da die Patienten nicht ohne ärztliche Hilfe zurechtkommen, vielmehr einer ständigen Betreuung bedürfen. Heute verdichten sich die Hinweise, dass neben einer genetischen Veranlagung immunologische Prozesse die Markscheiden der Nerven zunehmend zerstören. Auch die Umwelt scheint von Bedeutung zu sein. Vor diesem Hintergrund hat sich das gesamte Management der MS in den letzten Jahren tiefgreifend gewandelt.

Die Diagnose wird heutzutage immer früher gestellt und immer mehr Medikamente stehen zur Verfügung, die den natürlichen Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Entscheidend ist hierbei die im Langzeitverlauf individuelle, auf den einzelnen Patienten maßgeschneiderte Betreuung. Dies gelingt nur in einer Spezialambulanz, wo sich über Jahre Erfahrung ansammelt und eigene wissenschaftliche Beschäftigung zur Festigung einzelner Behandlungskonzepte beiträgt.

Unser MS-Zentrum im Bergmannsheil Bochum zeichnet sich durch eine enge Verzahnung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung der uns anvertrauten Patienten aus. Eingeschlossen ist hierbei auch die gesamte hochspezielle technische Zusatzdiagnostik wie Kernspintomographie, subtile Liquoruntersuchungen, klinische Neurophysiologie und Neurourologie. All dies unter einem Dach ist der Schlüssel für eine effiziente, auf den einzelnen Patienten ausgerichtete MS-Behandlung.

Rund 50 neue Fälle werden jährlich im Bergmannsheil diagnostiziert. Derzeit werden rund 300 Patienten aller Erkrankungsstadien mit jährlich über 500 Patientenkontakten in der MS-Spezialambulanz betreut. Um den Verlauf der Erkrankung sorgfältig zu überwachen, Therapieerfolge zu verfolgen und gegebenenfalls Therapien anpassen zu können, greifen wir auf ein spezielles MS-Datendokumentationssystem zurück, das über das Intranet unseres Hauses zwischen dem stationären und ambulanten Bereich vernetzt ist. Alle Untersuchungsergebnisse und Therapien unserer MS-Patienten werden hier gesammelt und stehen online 24 Stunden auch in Notfallsituationen, zum Beispiel an Wochenenden oder nachts, zur Verfügung. Die Datenbank hilft uns, aus der genauen Kenntnis des Langzeitverlaufs Schlüsse hinsichtlich der Therapie und Prognose zu ziehen und insbesondere auch Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Dadurch werden Kosten gespart und die Behandlung erfolgt insgesamt effektiver.

Neu diagnostizierte Patienten werden von uns umfangreich aufgeklärt und über alle zur Verfügung stehenden Therapieoptionen umfassend informiert. Patienten im akuten Krankheitsstadium und solche, die auf eine Immuntherapie neu eingestellt wurden, werden im ersten Jahr etwa dreimonatig von uns ärztlich untersucht. Bei Stabilität des Erkrankungsverlaufs stellen sich die Patienten ein bis zweimal im Jahr bei uns zur Kontrolle vor. Bei Komplikationen oder frischen Erkrankungsschüben können die Patienten jederzeit die MS-Ambulanz aufsuchen. Nach angelsächsischem Vorbild ist in die Betreuung unserer MS-Patienten eine Pädagogin ("MS-nurse") fest einbezogen. Sie hilft den Patienten bei der Krankheitsbewältigung, führt Gespräche mit den Angehörigen und analysiert das häusliche Umfeld, sodass die individuellen Begleitumstände wesentlich erträglicher werden. Sie ist für Fragen zu den üblichen Arbeitszeiten ständig erreichbar. Ihre Aufgabe ist es außerdem, die Patienten in der Handhabung von Therapien zu trainieren, etwa wenn sie sich selbst Spritzen setzen müssen. Auch führt sie regelmäßig neuropsychologische und kognitive Untersuchungen mit allen Patienten durch. Hierdurch gelingt es uns, den einzelnen Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung zu festigen. Er gewinnt Vertrauen in die gewählte Therapie und blickt optimistischer in die Zukunft. Am Ende steht eine verbesserte Lebensqualität, die alle MS-Patienten benötigen.

Eine Vorstellung in der Sprechstunde ist generell nur mit einem Termin und einer Überweisung durch einen niedergelassenen Neurologischen Fachkollegen möglich.

Bitte bringen Sie folgende Dinge mit zu Ihrem Termin in der Sprechstunde:

  • Medikamentenliste
  • Neurologische Vorbefunde
  • Vorbefunde über Bildgebung (MRT)

  Leitung

Prof. Dr. Peter Schwenkreis

Neurologische Universitätsklinik und Poliklinik
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum

  0234-302-6812   0234-302-6888 peter.schwenkreis@bergmannsheil.de