Patienteninfo Schmerzpsychotherapie

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt "Behandlung der Seele bzw. von seelischen Problemen". Sie bietet Hilfe bei Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns. Dazu zählen beispielsweise psychische Störungen wie Ängste, Depressionen, Zwänge, Anpassungsstörungen, Essstörungen und Süchte. Dies schließt auch psychosomatische Störungen mit ein. Der Begriff Psychosomatik bringt zum Ausdruck, dass die Psyche (Seele) einen Einfluss auf das Soma (den Körper) hat.


 Warum Psychotherapie bei chronischen Schmerzen?

Chronische Schmerzen werden heute auf der Grundlage eines bio-psycho-sozialen Modells erklärt. Für die Entstehung, aber auch für die Aufrechterhaltung und Chronifizierung von Schmerzerkrankungen spielen neben körperlichen, auch soziale und psychologische Faktoren eine entscheidende Rolle. Die psychologischen Faktoren des Schmerzerlebens können (Mit-)Ursache der Schmerzen sein. Noch viel häufiger jedoch sind psychische Beeinträchtigen oder Störungen eine Folge der lang anhaltenden Schmerzen.

Bei einigen Patienten lassen sich psychische Risikofaktoren finden, die in einem deutlichen Zusammenhang mit dem Ausmaß der Schmerzen stehen und die Schmerzintensität und Schmerzhäufigkeit beeinflussen. Zu diesen Faktoren gehören beispielsweise familiäre oder berufliche Alltagsbelastungen, Arbeitsplatzgefährdung, physische oder psychische Überforderungssituationen, extremes Leistungs- oder Durchhalteverhalten, aber auch übermäßiges Schonverhalten. In diesen Fällen kann die psychische Verfassung der Betroffenen unmittelbar zu einer Schmerzverstärkung führen.

Zudem weiß man, dass lang anhaltende - auch körperlich verursachte - Schmerzen nicht ohne Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden bleiben. Viele Betroffene klagen über abnehmende Leistungsfähigkeit, Schlafprobleme und zunehmende Reizbarkeit. Patienten mit chronischen Schmerzen geraten mit zunehmender Dauer der Beschwerden in einen Teufelskreis. Die Gedanken richten sich vermehrt auf das scheinbar nicht lösbare Schmerzproblem und die Beobachtung der Symptome. Erfolglose Behandlungsversuche führen zu Hilflosigkeit und Gefühlen des Ausgeliefertseins. Die Betroffenen ziehen sich immer mehr in sich zurück, verlieren soziale Kontakte, was zu gravierenden beruflichen und familiären Problemen führen kann. Daraus resultiert eine zunehmende bedrückte Stimmung, die sich zum Vollbild einer Depression entwickeln kann. Der Schmerz hat somit vielfältige psychische und soziale Folgen, die ihrerseits wiederum das Schmerzerleben beeinflussen und aufrechterhalten.

 Wie kann Psychotherapie bei chronischen Schmerzen helfen?

Ziel der Schmerzpsychotherapie ist es, den Patienten zu einem besseren Umgang mit den Schmerzen und deren Folgen zu verhelfen, so dass er/sie aktiv und bewusst in das Schmerzgeschehen eingreifen kann. Darüber hinaus können psychologische Behandlungsmethoden dazu beitragen, das Leben mit fortbestehenden Schmerzen erträglicher zu gestalten. Dabei hilft oftmals der Abbau von Zukunftsängsten, der Aufbau eigener Bewältigungskompetenzen im Umgang mit dem Schmerz, eine positive Beeinflussung der niedergedrückten Stimmung, ein angemessener Umgang mit Stress- und Konfliktsituationen, der Zugewinn an sozialen und körperlichen Aktivitäten und das rechtzeitige Erkennen von Selbstüberforderungen.

Mit psychologischen Behandlungsmethoden kann die  Schmerzverarbeitung verbessert und die psychosozialen Folgen der Schmerzen positiv beeinflusst werden. Häufig ist damit eine Schmerzreduktion verbunden.
Im Folgenden werden die wichtigsten Inhalte und Verfahren der psychologischen Schmerztherapie kurz vorgestellt:

  • Vermittlung von Information über Schmerzentstehung und -aufrechterhaltung (Psychoedukation)
  • Erlernen von Entspannungsverfahren (z.B. Progressive Muskelrelaxation, Imaginationsübungen, Hypnose und Autogenes Training) zur Schmerzreduktion und zur positiven Beeinflussung des Kontrollbewusstseins
    Vermittlung innerer und äußerer Ablenkungstechniken
  • Anleitung zur Selbstbeobachtung, um den Zusammenhang von Gedanken, Emotionen, Verhalten und Schmerz erfahrbar zu machen
  • Aufbau von Gedanken, die die Schmerzbewältigung fördern
  • Aufbau aktiver, Schmerz ausblendender Verhaltensweisen sowie der Abbau von Schmerz verschlimmernden Verhaltensweisen
  • Verbesserung des zwischenmenschlichen Verhaltens, um Beziehungen und Kontakte zu Mitmenschen zufriedenstellender und Schmerz unabhängiger zu gestalten

In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Schmerzpsychotherapie in vielen Bereichen eine deutliche Verbesserung erbringt: Bei den Schmerzsymptomen, der persönlichen Beeinträchtigung, der Stimmung und Aktivität und der Wiedererlangung von Lebensqualität sind bei guter Mitwirkung des Patienten beeindruckende Erfolge erzielbar. Sinnvoll und hilfreich ist dieser Therapieansatz bei allen Patienten mit chronischen Schmerzen, vor allem aber dann, wenn übergreifende (zusätzliche) Problemfelder mit der chronischen Erkrankung verbunden sind.

  Komm. Leitender Arzt

Dr. med. Dr. phil. Andreas Schwarzer

Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Schmerzmedizin
Abteilung für Schmerzmedizin
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum

Sekretariat :
Anja Grote

  0234-302-6366 anja.grote@bergmannsheil.de