Aortenchirurgie

Die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil bietet das gesamte Spektrum der Aortenchirurgie an. Mittels Herz- Lungenmaschinen-Anschluss und spezieller neuroprotektiver Verfahren ist es möglich, die gesamte thorakale Aorta prothetisch zu ersetzen:

  • Aorta ascendens suprakoronar (bei intakter Klappe und Aortenbasis)
  • Aorta ascendens infrakoronar mit Klappenersatz bzw. -rekonstruktion, Reimplantation der Herzkranzgefäße (Bentall-OP, David-OP)
  • Aortenbogen mit Reinsertion der supraaortalen Äste
  • Aorta thoracica descendens

Es sind vor allem zwei Krankheitsbilder, die einen chirurgischen Eingriff der thorakalen Aorta erforderlich machen:

 Die Dissektion
  • Pathogenese:
    Als Dissektion beschreibt man einen Einriss ('Entry') der innersten Gefäßwandschicht (Intima) mit progressiver Einblutung in die mittlere Wandschicht (Tunica media) und Bildung eines falschen Hohlraum (Lumen), das den eigentlichen Blutfluss verdrängt. Bei spontanem Verlauf kommt es häufig zu einer retrograden Einblutung auf Klappenebene bzw. im Bereich der Koronarabgänge (Ostien) mit Destruktion derselben. Erreicht die Einblutung den Herzbeutel (Perikard), so führt dies zu einer Tamponade mit meist tödlichem Ausgang.
  • Symptomatik und Verlauf:
    Typisches Symptom der akuten Dissektion ist ein spontan einsetzender thorakaler Schmerz von maximaler ("messerstichartiger") Intensität. Im weiteren Verlauf kann es zu neurologischen Ausfällen, Blutdruckunterschieden an Extremitäten, Malperfusionen, und akuter Herzinsuffizienz kommen.

  • Prognose:
    Unbehandelt versterben weit mehr als 50% der Patienten innerhalb der ersten 48 Stunden. Die Letalität nimmt ohne chirurgische Behandlung um 2% pro Stunde zu. Das operative Risiko beträgt, je nach Komorbidität 15 - 20%.

  • Therapie:
    Die Typ A Dissektion (nach Stanford), bei der die Aorta ascendens immer mit betroffen ist, stellt einen akutzen chirurgischen Notfall dar. Die Therapie der Wahl besteht in dem prothetischen Ersatz des erkrankten Gefäßabschnittes, ggfs. mit zusätzlichem Klappenersatz bzw. Reimplantation der Koronarostien.
 Das thorakale Aortenaneurysma

  • Pathogenese:

    • Als Aneurysma wird eine pathologische  Erweiterung des aortalen Durchmessers bezeichnet. Sie beruht meist auf einer angeborenen Bindegewebsschwäche und ist nicht selten bei Syndromen (Marfan, Ehlers-Danlos) anzutreffen.Bei einem Durchmesser ab 5 cm, bzw. einem Größenzuwachs von = 0,5cm in 6 Monatenwächst die Gefahr einer Ruptur, so dass die Indikation zum operativen Ersatz gestellt wird.

  • Symptomatik:
    Die pathologische Aortenerweiterung verläuft meist asymptomatisch.
  • Therapie:
    Aufgrund der anatomischen Verhältnisse (Koronarostien, Abgang der hirnversorgenden Gefäße) ist ein endoprothetisches "Stenting" des pathologischen Abschnittes nicht möglich. Die Therapie der Wahl besteht in einem Porthetischen Ersatz des erkrankten Aortenabsschnittes mittels eines Kunststoffinterponats (Dacron-Prothese).Den höchsten Schwierigkeitsgrad verzeichnet auch hier die Operation im Aortenbogenbereich, die mit einem hohen Schlaganfallrisiko behaftet ist.

  • Neuroprotektion bei Aortenbogenersatz
    Ausgedehnte Dissektionen, bzw. Aneurysmen, die den Aortenbogen mit Abgang der supraaortalen Äste mit implizieren, erordern spezielle neuroprotektive Verfahren, die das Operieren in Blutleere ermöglichen:

    • Senkung der Körperkerntemperatur auf tiefe (18-24°C), moderate (25-29°C)oder milde (30-35°C) Hypothermie
    • hypothermer Kreislaufstillstand (HCA)
    • selektive antegrade Hirnperfusion (selektive Perfusion der Kopfgefäße)
    • schonende Kanülierungstechniken: A. axillaris / A. subclavia

Die Weiterentwicklung dieser operativen Strategien stellt einen der Forschungsschwerpunkte unseres Teams dar (siehe Wissenschaft und Forschung).