Musiktherapie

Geschichtliches

Die Schöpferische Musiktherapie gehört zu den aktiven Musiktherapieformen. Sie nahm ihren Anfang in den 50er Jahren durch den Pianisten Paul Nordoff und den Sonderpädagogen Clive Robbins. Die beiden entwickelten in äußert fruchtbarer Zusammenarbeit ein Konzept, um mit mehrfach behinderter und autistischen Kindern übers Musizieren in Kommunikation zu treten. Dahinter steht der Gedanke, dass "die Identität eines Jeden durch Musik erreichbar ist und einen ganz unmittelbaren Zugang zum menschlichen Wesen ermöglicht" (D. Gustorff, 1997).

Dieser Ansatz wurde in den folgenden Jahren vielerorts aufgegriffen und weiterentwickelt.

Tätigkeitsfelder

Inzwischen kommt die Schöpferische Musiktherapie nicht mehr nur im sonder- und heilpädagogischen Bereich zum Tragen; weitere Tätigkeitsfelder sind Pädiatrie, Psychiatrie, Psychosomatik, Neurologie, Geriatrie, Intensivmedizin, um nur einige zu nennen.

Musiktherapeuten werden in der Regel von Krankenhäusern, Rehakliniken und anderen sozialen Einrichtungen angestellt, in denen sie Patienten einzeln oder in Gruppen betreuen.

Instrumentarium

Wie eingangs erwähnt, ist die Schöpferische Musiktherapie eine aktive Therapieform. Das heißt, Patient und Therapeut musizieren miteinander. Der Therapeut spielt hauptsächlich Klavier und setzt seine Stimme ein; dem Patienten werden Instrumente zur Verfügung gestellt, die ohne besondere Vorkenntnisse gespielt werden können. Dazu gehören vor allem verschiedne Schlaginstrumente wie Trommeln, Becken, Stabspiele, sowie einige ausgesuchte Blas- und Seiteninstrumente.

Arbeitsweise

Im Mittelpunkt des therapeutischen Prozesses stehen nicht die Defizite des Patienten, sondern seine Fähigkeiten. Er wird als "Mensch mit natürlichen künstlerischen Potentialen" (D. Gustorff, 1997), als gleichwertiger Musizierpartner verstanden.

Der Therapeut geht auf die musikalischen Äußerungen des Patienten ein, indem er ihm entsprechende musikalische Angebote macht. Diese wiederum kann der Patient aufnehmen oder verwerden. So entsteht ein lebendiger musikalischer Dialog, eine Improvisation zwischen Patient und Therapeut, die von beiden aktiv mitgestaltet wird. Eine Improvisation zwischen einem Komapatienten und einem Musiktherapeuten kann beispielsweise so aussehen, dass der Therapeut auf der Grundlage des Atemrhythmus des Patienten eine Melodie summt, dabei aufmerksam kleinste Veränderungen beobachtet und im Melodieverlauf mitberücksichtigt.

Im Gegensatz zu einigen psychotherapeutischen Ansätzen erfolgt in der Schöpferischen Musiktherapie keine verbale Aufarbeiten des musikalischen Prozesses. Die Musik steht sozusagen für sich selbst. Demzufolge wertet der Therapeut die video- oder audio-aufgezeichneten Sitzung unter rein musikalischen Gesichtspunkten aus. Er beschreibt die entstandene Musik und macht Angaben zu Art und Intensität der musikalischen Beziehung, die in den einzelnen Situationen vorherrschte.

Literatur:

  • David Aldridge (Hrsg.):
    Kairos I-IV, Beiträge zur Musiktherapie in der Medizin; Verlag Hans Huber, Bern, 1997, 1998, 1999, 2000
  • Dagmar Gustorff:
    Jenseits des Wortes - Musiktherapie mit komatösen Patienten auf der Intensivstation; Verlag Hans Huber, Bern, 2000

  Direktor

Prof. Dr. Martin Tegenthoff

Neurologische Universitätsklinik und Poliklinik
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum

Sekretariat :
Miriam Kroos

  0234-302-6809   0234-302-6888 miriam.kroos@bergmannsheil.de

  Musiktherapie in der Neurorehabilitation